Patenkinder in Afrika


Im ersten Jahr haben wir eine Patenschaft für Sheila in Mozambique übernommen. In Inhambane lebt Gesine, die ich noch aus Köln kannte und die dort an einer Vorschule als Lehrerin unterrichtet. Die Schule ist eine “gemischte” Schule. Die reichen Eltern sollen mit ihrem Schulgeld jeweils ein armes Kind mitfinanzieren und auf die Schule vorbereiten helfen. Die meisten armen Kinder haben hier überhaupt das erste Mal einen Stift in der Hand. Sheilas Mutter konnte in dieser Zeit zum Beispiel wieder arbeiten gehen.
Unser zweites Patenkind heißt Ivanecia. Wir unterstützen sie seit 2008, und Gesine ist begeistert über die Fortschritte in ihrer Entwicklung. Wir bezahlen 45 € Schulgeld monatlich, und unsere Überweisung ist laut Gesine so ziemlich das einzige regelmäßige Geld, das der Schule zur Verfügung steht.
Vorschul-Kindergarten“Nhapupwe“ Inhambane, Mocambique
1. Hintergründe und Ausgangssituation
In der Provinz Inhambane, sowie in ganz Mozambik, leben Menschen aus vielen verschiedenen kulturellen, nationalen und sozioökonomischen Hintergründen zusammen. Diese kulturelle Vielfalt wird von den Initiatoren des Projektes als großes Potential zur gegenseitigen Bereicherung aufgefasst.
In der Provinzhauptstadt Inhambane existiert zur Zeit ein Waisenhaus mit integrierter Kindertagesstätte. Die Aufnahmemöglichkeiten dieser Einrichtung sind stark erschöpft, und es gibt kaum weitere pädagogischen Betreuungsangebote. So hat sich eine Elterninitiative zusammengefunden mit dem Ziel einen Kindergarten in Inhambane aufzubauen. Gemeinsam sind mozambikanische und europäischen Familie aktuell im Prozess der Vereinsgründung. Das pädagogische Team setzt sich aus zwei mozambikanischen Grundschullehrerinnen und einer deutschen Sonderpädagogin zusammen. Durch regelmäßige Treffen, gemeinsame Feste und Aktionen wird die Partizipation und der Dialog der beteiligten Familien eingeladen und gefördert. Die Beiträge der Familien werden mit einbezogen und so gemeinsam der Entstehungsprozess des Kindergartens gestaltet.
Als eine Folge von Kolonialherrschaft, Unabhängigkeits- und Bürgerkrieg sind in Mozambik Berührungsängste zwischen Menschen verschiedenen Kulturen, Hautfarben und sozioökonomischem Status zu bemerken. Der auf Basis des gleichwertigen Dialog der heterogenen Mitgliedergruppe gestaltete Kindergarten will einen Beitrag dazu leisten, diese Grenzen aufzuweichen und zu einem fruchtbaren Miteinander anzuregen.
2. Ziel und Zielgruppe
Das Ziel ist, einen Kindergarten aufzubauen, der unterschiedliche Kulturkreise und verschiedene sozio-ökonomischen Gruppen anspricht und somit den gleichwertigen Kontakt und Austausch zwischen den Kulturen fördert. Der Kindergarten steht im Sinne der „Inclusive Education“ für Kinder mit und ohne Behinderungen offen.
Die pädagogische Betreuung wird durch die Zusammenarbeit von mozambikanischen und ausländischen Pädagogen gewährleistet. In der Reflexion der gemeinsam gestalteten Praxis werden die Strukturen des Kindergartenalltags geformt und ein neues kindzentriertes und kulturadäquates Curriculum entwickelt. Der Kindergarten soll nach einigen Jahren ganz an lokale Führung übergeben werden.
Die Zielgruppe sind Kinder der Familien, die an einer toleranten und sozialen Erziehung ihrer Vorschulkinder interessiert sind und das Prinzip eines multikulturellen, „inclusivem“ Kindergartens unterstützen. Neben dem Interesse am Austausch zwischen den Kulturen sind das Alter des Kindes, die Heterogenität der Gruppe und die Ausgewogenheit des Mädchen- und Jungenanteils Kriterien für die Teilnahme.
3. Grundlagen
Die oben angeführten Ziele werden durch folgende Grundlagen angestrebt:
1. Kinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen und mit verschiedenen sozio-ökonomischen Hintergründen lernen von- und miteinander. Der Kindergarten ist offen für Kinder mit und ohne Behinderungen.
2. Die Sprache der Schule ist Portugiesisch. Weitere Sprachen aus dem Lebensumfeldes des Kindes wie Bitonga und Englisch werden in Liedern und Aktivitäten miteinbezogen.
3. Die Anzahl der Kinder ist auf 25 Kinder zwischen 3 und 5 Jahren begrenzt.
4. Das pädagogische Team stellt sich aus zwei mozambikanischen Lehrer/innen und einer deutschen Sonderpädagogin zusammen. Auf Basis der gemeinsam gestalteten Praxis findet ein Dialog von kindzentrierten Ansätzen mit Erfahrungshintergründen zu mozambikanischer Kultur und Ressourcen statt. Die Einrichtung einer dauerhaften Praktikumstelle für Studenten der Humanwissenschaften an der Universität zu Köln wird angestrebt.
5. Toleranz gegenüber allen Kulturen = Gleichwertiger Austausch in kultureller Vielfalt.
6. Die beteiligten Eltern sind einverstanden, dass Erziehung ein öffentliches Gut ist und jede Familie unterschiedliche Beiträge zu den Kosten der Schule zahlt.
4. Pädagogischer und didaktischer Ansatz
4.1 Pädagogische Haltung
Vielfalt bereichert! Unterschiedliche Sichtweisen und Zugänge zur Welt bergen ein enormes Lernpotential; die Möglichkeit einen größeren Einblick in die Welt zu bekommen.
Die Gleichwertigkeit jedes Menschen, unabhängig der kulturellen- sozioökonomischen-, physischen- oder intellektuellen Voraussetzungen und Hintergründe, soll das Miteinander der Pädagogen und Kinder grundlegend prägen. So kann in einer Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung von- und miteinander gelernt werden. Basierend auf dieser Haltung wird keinem Kind aufgrund von Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten oder körperlichen Behinderungen die Teilhabe verweigert. Das pädagogische Konzept des Kindergartens entspricht dem Konzept der „Inclusive Education“.
4.2 Didaktische Schwerpunkte
Der Ablauf des Vormittages im Kindergarten, sowie die Planung und Begleitung der Aktivitäten wird in der Zusammenarbeit des pädagogischen Teams gestaltet. Im Dialog verbinden sich die verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungshintergründe zu neuen kindzentrierten Methoden, die bereichert werden durch die Aufnahme lokaler Kultureinflüsse.
Um die Differenzierung in einer heterogenen Lerngruppe in einem anregungsreichen Lernumfeld zu gewährleisten, werden Anregungen aus folgenden didaktische Ansätze einbezogen:
- Handlungsorientiertes Lernen
- Entdeckendes Lernen
- Lernen mit allen Sinnen
- Selbstgesteuertes Lernen
Produktion und Nutzen von didaktischem Material ist ein bedeutender Schwerpunkt des didaktischem Konzeptes. Die Produktion erfolgt zum Großteil gemeinsam mit den Kindern, und die Rohstoffe werden in Natur und günstig zu beschaffenen lokalen Materialien gefunden.
5. Finanzielle Mittel zur Unterstützung des Kindergartens
Finanzielle Mittel können durch folgende Quellen beschafft werden:
- Unterstützung humanitärer Organisationen
- Private Spenden
- Fundraising im In- und Ausland
- Kinderpatenschaften (für Kinder, die finanzielle Unterstützung brauchen)
- Kindergartenpartnerschaft / Schulpartnerschaft
- Schulgebühren
- Förderung von Arbeitsgemeinschaften mit universitärer Begleitung
6. Kosten
Folgende Kosten für die Schule müssen gedeckt werden:
a. Einmalige Kosten/Anschaffungen
- Tische, Stühle, Regale, Tafel, Lampen, Schuluniformen,…
- Renovierung des Kindergartengebäudes ( Dachreparaturen, Erneuerung der sanitären Anlagen, Streichen, Instandsetzung des beteiligten Gartens…)
b. Laufende Kosten
- Bücher, Papier, Stifte, Kreide, Kleber, etc.
- Personalkosten
- Miete für Kindergartengebäude
- Strom
- Wasser
- Frühstück der Kinder
- etc.
Die Schwerpunkte des Vorschul-Kindergartens
Die besondere Aufmerksamkeit der Arbeit Nhapupwés liegt auf den folgenden Schwerpunkten:
Vielfalt bereichert
Der Dialog des Verschiedenen, wobei jedem kulturellem und sozioökonomischen Erfahrungshintergrund der selbe Wert anerkannt wird, prägt alle Ebenen der Kommunikation des Vorschul-Kindergartens. Durch einen solchen Dialog, in welchem Fremdes nicht ausgegrenzt sondern als wichtige Erweiterung der Sichtweise geschätzt wird, kann gemeinsam Neues geschaffen werden – Die Grundlage des Aufbaus Nhapupwés.
Die Kindergruppe stellt sich zusammen aus einer enormen Heterogenität an Kindern mit verschiedenen kulturellen und sozioökonomischen Erfahrungshintergründen.
Die Partizipation aller Kinder wird ermöglicht durch das solidarische, preisgestaffelte Zahlungskonzept. So zahlen die Familien monatliche Beiträge, die ihrem Einkommen und finanziellen Möglichkeiten entsprechen. Damit realisieren die partizipierenden Familien eine Erziehung, die niemanden wegen geringerer Zahlungskapazitäten ausschließt oder abwertet.
Die Gleichwertigkeit jedes Menschen (gleich welcher kulturellen- sozioökonomischen-, physischen- oder intellektuellen Voraussetzungen und Hintergründe) prägt das Miteinander der Kinder und Pädagogen grundlegend. So wird in einer Atmosphäre der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung von- und miteinander gelernt.
Basierend auf dieser Haltung wird keinem Kind aufgrund von Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten oder körperlichen Behinderungen die Teilhabe verweigert, wodurch das pädagogische Konzept des Kindergartens dem Gedanken der Inclusive Education entspricht.
Auch auf Ebene der Pädagogen erstreckt sich das Prinzip des gleichwertigen Dialoges der unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungshintergründen. Das pädagogische Team stellt sich aktuell aus zwei mozambikanischen Grundschullehrerinnen und einer deutschen Sonderpädagogin zusammen. Gemeinsam wird der Kindergarten-Alltag geplant und strukturiert. Die Erfahrungen aus der Praxis werden in regelmäßigen Treffen der Pädagogen reflektiert. So findet zu aktuellen Themenschwerpunkten und Problemfeldern ein Austausch der verschiedenen Erfahrungshintergründe statt.
Akademische Ansätze aus dem aktuellen Diskurs der Humanwissenschaften in Deutschland werden praxisnah verknüpft mit dem Wissen und Erfahrungen des pädagogischen Alltag in mozambikanischer Kultur und Lebensrealität. Durch Aufnahme von Praktikanten öffnet sich der Kindergarten für weitere Anregungen im Dialog. So wird aktuell in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln angestrebt, eine dauerhafte Praktikumstelle für Studenten der Humanwissenschaften einzurichten.
Die Reflexion der gemeinsam gestalteten Praxis wird realisiert in einer Atmosphäre, in dem sich jeder Beitraggeber als wertvoll anerkannt fühlt, und gestaltet so die Grundlage zur Erschaffung des neuen Curriculums. Die Sichtweisen der Dialogpartner werden erweitert, die Kreativität wird angeregt, neue Gestaltungsräume eröffnet und an Schwierigkeiten mit neuen Lösungsmöglichkeiten herangetreten. Auf dieser Basis realisiert sich die Entwicklung eines neuen, kindzentriertem und kulturadäquaten Curriculum.
Die Arbeit Nhapupwés steht unter dem Motto:
Vielfalt bereichert! Denn unterschiedliche Sichtweisen und Zugänge zur Welt bergen ein enormes Lernpotential; die Möglichkeit einen größeren Einblick in die Welt zu bekommen.
Produktion von didaktischem Material
Unseren pädagogischen und didaktischen Ansätzen nach ist der Gebrauch von didaktischem Material nicht wegzudenken. Mit solchem Material wird den Kindern ermöglicht die Themeninhalte anschaulich und konkret zu erfahren. Im spielerischen und aktiven Auseinadersetzen mit dem Material, das viele Sinne anspricht, wird die Motivation und Kreativität der Kinder angeregt. Zudem können sie sich so selbständig, ihren eigenen Interessen und Arbeitsrhythmen entsprechend mit den Themen auseinandersetzen.
In der Umgebung unserer Vorschule in der mozambikanischen Provinz Inhambane werden wir allerdings mit einem großen Mangel an didaktischem Material konfrontiert. In Schulen und Kindergärten gibt es kaum anregende Materialien, im Umgang mit den Kindern herrscht tendenziell der nicht kindzentrierte Frontal-Stil.
Für uns stellt sich die Notwendigkeit, didaktisches Material selber herzustellen. Da die Vorschule nicht über eine höheres Finanzbudget verfügt, werden die Materialen mit geringem finanziellen Aufwand produziert. Als Rohstoffe für die Produktion verwenden wir vor allem auf die Ressourcen der Natur, sowie auf günstige vor Ort zu erwerbende Materialien. So ist die Produktion angepasst an die Realität vom Großteil der pädagogischer Einrichtungen in Mozambik und die Adaptionsmöglichkeit für andere Institutionen wird erheblich erhöht.
Die Produktion des Materials erfolgt zum Großteil gemeinsam mit den Kindern. Den Arbeitschritten entsprechend basteln und werken sie mit unterschiedlichem Grad an Hilfestellung. So werden ihre feinmotorischen Fähigkeiten trainiert und die Kreativität der Kinder angeregt. Auch die Identifizierung mit dem Material und das Interesse an dessen Gebrauch wird durch die Teilhabe im Produktionsprozess erhöht.
Der Kindergarten beginnt nun Wochenendaktionen mit Eltern und Kindern durchzuführen, bei welchen gemeinsam ausgewähltes Material hergestellt wird. So wird in Kürze das japanische Nummerspiel „Suduko“ als Brettspiel für Kinder im Vorschulalter zusammen mit den Familien produziert. Solche Aktionen leisten einen Beitrag zum interkulturellen Kontakt nicht nur der Kinder, sondern auch der Eltern. Durch gemeinsame Erfahrungen der Familien aus ganz unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen können Abgrenzungen gesenkt und ein fruchtbarer Dialog des Verschiedenen angeregt werden.
Die Beobachtungen der Eltern-Kind-Interaktionen bei diesen Aktionen sind auch für die pädagogische Arbeit des Kindergartens sehr hilfreich. Der Umgang und die Kommunikation der Kinder mit ihren Eltern geben Hinweise auf unterstützende pädagogische Interventionen im Kindergarten sowie auf Anregungen für die Eltern.
Wertschätzung lokaler Ressourcen
Die Einbeziehung der lokalen Ressourcen stellt ein wesentliches Kriterium im Aufbau des Curriculums dar. Das direkte Lebensumfeld der Kinder soll aufgegriffen und zum Ausgangspunkt des Lernens gemacht werden. Es soll eine differenzierte Wahrnehmung des
Lebensumfeldes und ihrer Ressourcen, sowie dessen Wertschätzung und Nutzung, erreicht werden.
So werden zur Produktion des didaktischen Materials vor allem Rohstoffe aus der Natur und weitere lokale Materialien verwendet. Gemeinsam mit den Kindern wird der Reichtum der Natur, die uns umgibt erforscht. So schenkt uns z.B. die Kokospalme eine Fülle an Rohstoffen, mit denen wir hervorragend basteln und kreieren können.
Die lokale afrikanische Sprache, Bitonga, wird in den Kindergarten-Alltag mit einbezogen. Die Kindern lernen Lieder in dieser Sprache und singen sie mit Freude. So findet Bitonga auch Beachtung in der „Lieder-Werkstatt“, in welcher zu den aktuellen Themenschwer-punkten Lieder und Melodien erfunden werden.
Eine erhöhte Wertschätzung des direkten Umfeldes der Kinder wird auch mit Ausflügen in die nähere Umgebung angestrebt. Es werden Exkursionen in die Natur gemacht, Parks besucht, Meer und Strand gemeinsam erforscht und auch nahe gelegene Institutionen wie das Museum und die Kinderbibliothek besucht.


