- Interview mit King Zero, von Ashin Sopaka und Alexandra für The Best Friend | 20.08.2009
„King Zero“ alias Ashin Issariya, 34, ist eine der wichtigsten Schlüsselfiguren unter den Mönchen in Burmas Aufstand gegen das Militärregime im Jahr 2007, bekannt als Saffron Revolution. Er ist einer der wenigen Gründungsmitglieder der All Burma Monks Alliance und Mitbegründer von The Best Friend – Children Education Projects.
Im Oktober 2008 gelang ihm nach einem Jahr im Untergrund und einer zweiwöchigen Menschenjagd durch die Behörden die Flucht nach Thailand.
TBF: Wie lange sind Sie schon in Thailand und welche Schwierigkeiten hatten Sie auf dem Weg hierher?
King Zero: Um zu entkommen, musste ich meine Mönchsrobe ablegen und weltliche Kleidung tragen. Seit der Saffron Revolution 2007 war ich auf der Flucht und habe aus dem Untergrund für die Freiheit Burmas gearbeitet.
Im Oktober 2008 gelang mir die Flucht nach Thailand, was bedeutet, dass ich ein Jahr lang im Untergrund war. Während dieser Zeit wusste die Polizei zwar von einem King Zero, aber sie wussten nicht, wer die wahre Person hinter diesem Spitznamen ist. Ab dem 10. Oktober 2008 wussten sie, dass der richtige Name King Zeros U Issariya ist und es wurde sehr schwer für mich, mich noch länger zu verstecken.
Weil ich während der Saffron Revolution mit U Gambira zusammen gearbeitet habe, wäre ich bei einer Festnahme zu einer Haftstrafe von 58 – 100 Jahren verurteilt worden. Die Polizei, die dann auch wusste, welcher Familie ich angehöre, hat versucht, meinen Bruder zu verhaften, um ihn als Austauschgeisel zu benutzen. Nach meiner Flucht nach Thailand wurde seine Verfolgung eingestellt.
TBF: Sind noch viele Mönche auf der Flucht und leben im Untergrund?
King Zero: Ja, viele. Manche sind hier nach Thailand gekommen, andere verstecken sich und halten sich an wechselnden Orten auf. Viele Mönche haben bereits ihre Roben abgelegt und tragen nun weltliche Kleidung. Die Mönche meiner Gruppe stehen allerdings noch miteinander in Verbindung. Andere leben an weit entfernten Orten ohne Kontakt zueinander.
TBF: Seit den Protesten im September 2007, der Saffron Revolution, wurden insgesamt 1.118 Aktivisten inhaftiert. Darunter 219 Mönche, die jetzt in Gefängnisse oder Arbeitslager gebracht wurden. Was kannst du uns über die Situation dieser Mönche erzählen?
King Zero: Mönche sind harte, körperliche Arbeit nicht gewohnt. Deshalb ist die Situation in den Arbeitslagern extrem schwierig für sie. Ashin Pannasiri, dem letztes Jahr die Flucht nach Indien aus dem Gefängnis Lantalang in der Chin Region gelang, hat uns von vielen Problemen und schlechten Situation im Gefängnis berichtet. Die Mönche werden zu so harter Arbeit gezwungen, dass manche von ihnen daran bereits gestorben sind.
Aus politischen Gründen ist die Behandlung der Mönche besonders brutal. Wie U Pannasiri, der während vieler Verhöre gefoltert wurde, werden Mönche in den Gefängnissen besonders unterdrückt und misshandelt.
Die Mönche sind darüber hinaus auch isoliert, weil ihre Familienangehörigen nicht wissen, wo sie sind. Sie wissen nicht, wie sie Anfragen an Behörden stellen sollen, um es herauszufinden. Viele der Mönche kommen vom Land, deren Angehörige ganz einfache Leute sind, die von der Regierung nicht informiert werden.
So sind diese Mönche mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Nur, wenn sich die Lage im Lang ändert, können sie auf Freiheit hoffen. Sonst gibt es keinen Weg für sie, aus den Gefängnissen und Arbeitslagern herauszukommen.
TBF: U Gambira, der führende Mönch der friedlichen Demonstrationen im Jahr 2007 wurde wegen Landesverrats angeklagt und zu 68 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Insein -Gefängnis erlitt er Gehirn- und neurologische Schäden. Was weißt du über seine jetzige Situation?
King Zero: Er wurde vor kurzem in ein sehr abgelegenes Gefängnis verlegt, nachdem er im Gefängnis gegen General Than Shwe demonstriert hatte. Er wurde wiederholt mit psychologischen Methoden und Einzelhaft gefoltert. Niemand weiß genau, wie sein Gesundheitszustand jetzt ist. Seine Familie kann ihn zwar einmal im Monat besuchen. Diese Besuche werden aber von den Behörden häufig ohne Angabe von Gründen kurzfristig abgesagt.
TBF: Seit der Saffron Revolution sind die buddhistischen Mönche in Burma zum Hauptangriffsziel der Millitärjunta geworden. Wie hat sich dadurch das Leben der Mönche in Burma verändert?
King Zero: Zur Zeit ist es sehr schwer für Mönche in Burma, weil sie die ganze Zeit von der Geheimpolizei verfolgt werden. Manche Mönche haben ihre Roben bereits in weltliche Kleidung umgetauscht. Viele Mönche sind davon überzeugt, dass sie bis zum Ende dieser Revolution weiter kämpfen müssen. Natürlich sind auch etliche Mönche auf der Flucht, aber eine Vielzahl der Mönche ist fest entschlossen, die Revolution zu Ende zu bringen.
In der momentanen Situation müssen die Mönche in den Polizeistationen eine CD mit Fotos von sich und detaillierten Informationen abgeben. Die Mitglieder der Geheimpolizei kommen in Mönchsroben verkleidet in die Klöster oder sie kommen als Laienanhänger, die vorgeben, den Mönchen helfen zu wollen. Weil es so viele sind, weiß niemand, wem man noch trauen kann. Dennoch sind die Mönche seit der Saffron Revolution mutiger geworden. Selbst Fremden gegenüber reden sie offen, drücken offen ihre Gefühle dem Regime gegenüber aus, denn sie sind absolut entschlossen, ihr Ziel zu erreichen.
Im Augenblick bereiten sich die Mönche darauf vor, erneut in den Streik zu treten.
TBF: Im Jahr 2008 ist ein Tonband mit Dharmareden des berühmten Mönches Ashin Nyanissa verboten worden und konnte daher nicht veröffentlicht werden. Kontrolliert die Militärjunta in Burma religiöse Tätigkeiten?
King Zero: Ja, seit 2007 sind viele Reden von Mönchen, nicht nur von U Nyanissa, sondern auch von U Thumingala, U Kossanla und anderen verboten worden. Obwohl sie Dharmalehrer sind, sprechen diese Menschen manchmal auch über Politisches und die aktuelle Situation. Mönchen wie diesen folgen in der Regel von der Regierung angeheuerte Provokateure in Zivil, um die Vorträge dieser Mönche zu kontrollieren. Liegt keine Genehmigung von der Regierung vor, stören die Provokateure die Dharmareden der Mönche.
Das Regime in Burma hat Angst vor den Menschen. Es hat Angst davor, dass die Menschen wieder gegen dieses Regime demonstrieren könnten. Aus diesem Grund kontrollieren sie die Dharmareden der Mönche.
TBF: Würden Sie sagen, dass die Saffron Revolution zu Ende ist?
King Zero: Nein, all die Mönche arbeiten weiterhin für diese Revolution. Es wird eine noch größere Revolution geben, eine noch größere Bewegung.
Was ich der Weltöffentlichkeit mitteilen möchte, ist, dass das Regime in Burma die Mönche tötet, die Friedensstifter und Freunde des Friedens sind. Das Töten von Mönchen bedeutet das Töten des Friedens; deshalb müssen den Frieden liebende Menschen auf der ganzen Welt Druck auf dieses Regime ausüben. Wir müssen zusammen Druck ausüben. Wir müssen Druck auf dieses Regime ausüben, weil es den Weltfrieden gefährdet.
Sep, 5 | Thema: Uncategorized |
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