- detaillierte Information zusammengestellt von Arkadius Malinowski


Buddhas Leben

„Nur wenige Persönlichkeiten in der Geistesgeschichte der Menschheit haben so weit und so anhaltend ausgestrahlt wie Siddhattha Gotama, der „Buddha“, und keine hat Asien so tief geprägt wie er. Die von ihm gestiftete Religion hat nicht nur zahllosen Menschen Trost gebracht, sie war zugleich Grundlage edler Humanität und feinsinniger Kultur. Die erste Predigt des Buddha im Jahre 528 v. Chr. In Sarnath bei Benares war ein Ereignis, das noch heute segensreich fortwirkt.“
Hans Wolfgang Schumann (Indologe u. Religionswissenschaftler) zitiert aus seinem Buch „Der historische Buddha“


„Über das Leben des Buddha besitzen wir zwar keinen authentischen Gesamtbericht, können aber durch den Vergleich mehrerer alter Biographien und durch kritische Ausscheidung der reichlich vorhandenen legendären Züge einen im ganzen mit großer Wahrscheinlichkeit wahrheitsgemäßen Überblick gewinnen. Buddha war der Sohn des im Sakya-Land beheimateten Stammesfürsten Suddhodana und dessen Gattin Maya. Er entstammte also nicht einer der großen Monarchien, sondern einem im Grenzgebiet zum heutigen Nepal gelegenen Stammesfürstentum. Sein Geburtsort war der Hain Lumbini bei Kapilavatthu im nördlichen Teil des Sakya-Landes, wo Maya auf einer Reise von der Niederkunft überrascht worden war. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde der Knabe von deren Schwester Mahaprajapati aufgezogen. Er erhielt den Vornamen Siddhattha, während Gautama bzw. Gotama der Stammesname ist.“

Klaus Mylius (Professor für Sanskritistik und indische Altertumskunde) zitiert aus seinem Buch „Die vier edlen Wahrheiten“


„Mit dem achten Lebensjahr (die vorgeburtlichen Monate eingerechnet) begann Siddhatthas Ausbildung. Besonderer Wert wurde auf soldatische Fertigkeiten, d.h. Reiten, Umgang mit Elefanten, Bogenschießen und Ringen, gelegt, war es doch Aufgabe des Kriegeradels, im Notfall die Waffen zu führen. Aber gerade hier war Siddhatthas Eifer gering. Er war ein kontemplativer Typ, der Kraftdemonstration verachtete...

Als Siddhattha das Alter von sechzehn Jahren erreicht hatte, beschloß Suddhodana, den Grübler dadurch an die Welt zu binden, dass er ihn verheiratete. Schwierigkeiten gab es von Seiten des ins Auge gefassten Schwiegervaters Suppabuddha, der seine Tochter nicht einem so unmilitärischen, grüblerischen Jüngling anvertrauen wollte.

Die Legende berichtet von einem Wettkampf, der angesetzt wurde, damit Siddhattha seine Kriegerqualitäten beweise. Er bestand die Prüfung, indem er angeblich alle Konkurrenten spielend in den Schatten stellte. Beide Partner waren sechzehn, als die Hochzeit stattfand. Mit neunundzwanzig wurde ihnen ein Sohn geboren, der den Namen Rahula erhielt.

Wie lange sich die Wende vorbereitete, die unmittelbar nach Rahulas Geburt Siddhatthas Auszug in die Hauslosigkeit bewirkte, ist kaum zu ermessen. Möglicherweise war die Geburt eines männlichen Nachkommen die Bedingung, unter der die Gotamas bereit waren, Siddhattha ziehen zu lassen. Die Legende setzt den Entscheidungsprozeß ins Dramatische um und berichtet, Siddhattha habe bei vier Ausfahrten einen Alten, einen Kranken, einen Toten und einen Mönch erblickt und dadurch erkannt, dass man nur als anhangloser Asket die Erlösung verwirklichen könne. Tatsache ist jedenfalls, dass er als Neunundzwanzigjähriger Familie und Freunde, Haus und Heimatstadt verließ, um sich religiöser Suche zu widmen.

Hans Wolfgang Schumann zitiert aus seinem Buch „Buddhismus“ und „Der historische Buddha“


„Sieben Jahre lang wanderte der junge Mann im Land auf der Suche nach der Wahrheit umher. Bei zwei Asketen versuchte er, sich zu belehren, aber ihre Darlegungen enttäuschten ihn. In der Hoffnung auf Erlösung unterzog er sich harter Selbstkasteiung.

Klaus Mylius zitiert „Die vier edlen Wahrheiten“


„In Bewunderung seiner Ausdauer hatten sich ihm fünf Asketen angeschlossen ...Eines Tages aber erkannte Siddhattha, dass auch Kasteiung kein Weg zur Erlösung ist, da ihr ein Fanatismus zugrunde liegt, der der inneren Haltung des Ablösens entgegensteht.

Er begann wieder ausreichend zu essen, um für die Heilssuche zu Kräften zu kommen. Die fünf Asketen aber verließen ihn: Siddhattha schien seinem Streben untreu geworden. Er schlug nun den Weg ein, den eine Jugenderinnerung ihm gewiesen hatte, die Meditation. Zustatten kamen ihm dabei die Meditationskenntnisse, die er seinerzeit bei Alara Kalama (dem ersten der aketischen zwei Gurus) erworben hatte. Wenn auch keine der vier Tiefenstufen der Versenkung (jhana) ihn direkt zu einer Einsicht führte, so machten sie doch seinen Geist ruhig, rein, begierdefrei und gesammelt, und mit diesem Geist durchdrang er Schicht für Schicht die Natur des Daseins. Er erinnerte sich seiner vergangenen Existenzformen, durchschaute das Gesetz der Wiedergeburt als Folge der Taten (kamma) und erkannte: Dies sind die Einflüsse (asava, die Wiedergeburt und Leiden verursachen), dies ihr Ursprung, dies ihre Aufhebung, dies der Weg zu ihrer Aufhebung. Beim heutigen Bodh Gaya unter einem Baum sitzend, kam ihm die Einsicht:

Unerschütterlich ist meine Erlösung; dies ist die letzte Geburt, ein Wiederentstehen gibt es nicht mehr! (M26I S.167)

Hans Wolfgang Schumann zitiert aus seinem Buch „Buddhismus“ und „Der historische Buddha“


„Offenbar muß Buddha, wie wir aus verschiedenen Andeutungen der Quellen schließen dürfen, sich zunächst mit der Erlösung seiner eigenen Person zufriedengegeben haben. In einer sehr natürlichen und überzeugenden Weise setzt er im Mahavagga 1,5 auseinander, dass die Ausbreitung der Lehre und die Stiftung eines Ordens ihm nur Verdruß und Mühsal bereiten würden. Mara, das böse Prinzip im Buddhismus, möchte ihn darin noch bestärken und ihn überreden, unverzüglich ins Nirvana einzugehen... Im Suttanipata III,2, dem Padhana-Sutta, lesen wir, wie Buddha diese Versuchung zurückweist. Auf Bitten des Gottes Brahma Sahampati (Mahavagga I,5) entschließt er sich, der Welt die Lehre zu verkünden. Er hält die berühmte `Predigt von Benares` und setzt `das Rad der Lehre in Bewegung`.“

Klaus Mylius zitiert aus seinem Buch „Die vier edlen Wahrheiten“


„45 Jahre lang wanderte er durch Indien und verkündete die Lehre, die am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt. Er zeigte, wie alles Leiden, alle Unzulänglichkeiten, alle Not und Sorge restlos zu überwinden sind, wie Freiheit von Alter, Krankheit und Tod zu erreichen sei. Seine Lehren, Predigten, Gespräche und Fragenbeantwortungen wurden von seinen Mönchen gesammelt und auswendig gelernt. Später wurden sie auf Palmblättern aufgeschrieben...“
Hellmuth Hecker

Der Buddha starb mit achtzig Jahren, nachdem er auf seiner letzen Wanderung mehrmals krank wurde, in einem Hain zu Kusinara (heute Kasia). Er hatte keinen seiner Mönche zum Ordensoberhaupt ernannt, sondern ausdrücklich den Dharma, den er verkündete als die Autorität bekräftigt. Um die Beisetzung seines Leichnams sollten sich nicht die anwesenden Mönche kümmern, sondern die antreffenden weltlich-lebenden Gläubigen. Der Leichnam wurde nach seinem Verscheiden östlich der Stadt auf einem Scheiterhaufen eingeäschert.

yo kho Dhamman passati so mam passati; yo mam passati so Dhamman passati Wahrlich, wer Dharma erschaut, der erschaut mich und wer mich erschaut, der erschaut Dharma.



Buddhismus

„Der Buddhismus ist eine Weltreligion geworden, zu der sich mehrere hundert Millionen Menschen zählen. Einen gewisse Kenntnis der Grundzüge der großen Weltreligionen gehört zur Allgemeinbildung und wird in Abschlussprüfungen abgefragt. Deshalb wird fast jeder Leser meinen, eine ungefähre Vorstellung vom `Buddhismus` zu haben. Aber die Nachschlagewerke belehren ihn, dass es heute, nach 2.500 Jahren, vielfältige Formen von Buddhismus gibt: Theravada, Mahayana, Zen, tibetischen, vietnamesischen, kambodschanischen Buddhismus, Tantra und viele andere mit je eigenen Sammlungen von Texten, die oft weit mehr als tausend Jahre nach dem Buddha entstanden sind. Die Nachschlagewerke, die ja nicht die Wahrheitsfrage beantworten, sondern über die heutigen Religionsformen informieren wollen, zählen diese Vielfalt neutral auf, und der Leser fragt sich: Welches ist denn nun der `richtige` Buddhismus?

Wer Näheres wissen will, kann zwar in der reichen wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Sekundärliteratur Rat suchen. Aber das Interesse internationaler indologischer und buddhologischer Forschung gilt heute – von Ausnahmen abgesehen – überwiegend der Geschichte der Verzweigungen der Überlieferung und Veränderung der Lehre des Buddha bis heute – wer wen worin auf welchen verschlungenen Wegen beeinflusst hat. Bei der heutigen Fortschrittsgläubigkeit meinen viele suchende Menschen: je neuer, desto besser. Aus diesem Grund und weil viele Asiaten aus buddhistischen Ländern im Westen Zuflucht gesucht haben, sind hier gerade Spätformen wie Zen oder der tibetische Buddhismus verbreitet. Die verschiedenen Schulen vertragen sich in freundschaftlicher, vielfach herzlicher Toleranz, halten in Dachorganisationen Verbindung und betonen das Gemeinsame, besonders auch Liebe und Gewaltlosigkeit im praktischen Leben.

Doch wem die religionsgeschichtlichen, religionssoziologischen, religionspsychologischen und vergleichend-religionswissenschaftlichen Arbeiten der Fachgelehrten und richtungsübergreifende Kontakte als Lebenshilfe nicht genügen und wer deshalb Rat bei praktizierenden Nachfolgern sucht, trifft auf eine große Richtungsvielfalt, darunter Respektgebietende und liebenswerte Persönlichkeiten, die aber den neueren Richtungen oft weit näher stehen als den ursprünglichen Quellen. Der Fülle dieser ursprünglichen Quellen sind die allerwenigsten Menschen begegnet. Viele wissen nicht einmal, dass es sie gibt. Bei anderen sind sie mehr Gegenstand literarischer Verehrung oder sie sind durch spätere Umarbeitungen ersetzt – oder der Gang zu den Quellen als aufnehmender, prüfender und danach lebender Zuhörer ist zugunsten wortloser, nur in das eigene Innere blickender Meditation verpönt. Selbst im Mönchsorden in Sri Lanka, Burma und Thailand, der das unschätzbare Verdienst hat, über die Jahrtausende hinweg den Pali-Kanon treu überliefert zu haben, wird heutzutage von dessen drei großen Teilen in erster Linie nicht etwa der `Korb der Lehrtexte` (Sutta-Pitaka) mit den Lehrreden und Gesprächen des Buddha und der ihn zu Lebzeiten umgebenden großen Mönche und Nonnen gelesen, sondern der ein Jahrtausend später von Mönchsgelehrten verfasste `Abhidhamma-Pitaka`, eine riesige Sammlung von systematisch angeordneten, tabellarisierten und klassifizierten Lehrinhalten.“

aus dem Buch von Fritz Schäfer „Der Buddha sprach nicht nur für Mönche und Nonnen“



Buddhismus der Alten Schule: Theravada

„Nachdem Gotamo selbst, mit seinen Jüngern ein halbes Jahrhundert hindurch in ganz Mittelindien immer von Ort zu Ort wandernd, nur während der drei Monate der Regenzeit sesshaft und einsam zurückgezogen, allenthalben schon als der beste Künder und Verkünder erschienen war, pflegten nun die Mönche nach dem Verscheiden des Meisters bald noch in weitere Fernen hinauszuziehen. Sie waren ja Bürger der vier Weltgegenden, wie der beschwingte Vogel nur mit der Last seiner Federn dahinfliegt, hatten sie nur mit Gewand und Almosenschale beschwert weiterzupilgern. So wirkten sie geistiges Werk durch Beispiel und Wort. Aber nach Jahren und Jahrzehnten, nach einem Jahrhundert und darüber begann die lebendig fließende Sprache allmählich zu vertrocknen, auch sie natürlich wie alles dem Wandel und Verfall unterworfen. Da hatten denn die Nachfolger von nun an Silbe um Silbe, Wort um Wort der Satzung in erstarrter Gestalt, in der absterbenden und endlich toten Sprache weiter zu überliefern. So musste freilich in Indien wie außerhalb Indiens der ursprünglich rein asketische Orden mehr und mehr in gelehrte Schulen ausarten. Gerade diesem Umstande verdanken wir aber den so erstaunlich getreu erhaltenen alten Text, der alsbald auf Stein, Metall, Holz, zumeist aber auf Palmblattkarton dauernd fixiert wurde"
Karl Eugen Neumann (1865-1915, Indologe) zitiert aus seinem Werk „DIE REDEN DES BUDDHA. Längere Sammlung“

„Der Theravada ist der Zweig des Buddhismus, der heute in Sri Lanka und Teilen des südostasiatischen Kontinents erhalten ist. Der Begriff bedeutet "Lehre der Alten"; die Alten sind hier die älteren Mönche, die die Tradition bewahren. Die Bezeichnung erhebt den Anspruch des Konservatismus. Der Theravada gelangte um 250 v. Chr. aus Indien nach Ceylon. Für mehr als tausend Jahre bestand er hauptsächlich in Ceylon und südöstlichen Indien. Im 11. Jahrhundert wanderte er von Ceylon nach Birma. In den folgenden beiden Jahrhunderten breitete er sich auf die Gebiete des heutigen Thailand, Laos und Kambodscha aus. Charakteristisch für den Theravada-Buddhismus sind der Gebrauch des Pali als der grundlegenden heiligen Sprache und die Benutzung der Pali-Version des buddhistischen Kanons als heiliger Schrift.

Das Wort Pali bedeutet ursprünglich "(kanonischer) Text" und als Bezeichnung der Sprache der Kanonischen Texte der Theravadins scheint es erst seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich zu sein.“

Richard F. Gombrich (Boden Professor of Sanskrit an der Universität Oxford und langjähriger Präsident der Pali Text Society, London)



Buddhistischer Kanon

„Nach dem Tode des Meisters haben die Jünger auch noch die letzten Reden und Ereignisse nach altbewährter vedischer Methode ihrem Gedächtnisse fugenartig eingeprägt, wie sie ja schon vorher die Meisterreden ganz ebenso von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr rein bewahrt und erhalten hatten, indem bei den regelmäßigen Zusammenkünften vor und nach der Regenzeit, und wo sich außerdem wandernde Jünger aus den vier Weltgegenden trafen, eben immer ein jeder berichtete, was er selbst auf seiner mehr oder minder längeren Wanderschaft mit dem Meister von Angesicht gehört, von Angesicht vernommen hatte. Daher beginnt eine jede der uns also überlieferten Reden mit den Worten: Das hab’ ich gehört, wobei der Nachdruck auf dem Ich liegt: andere haben das gehört, ich habe das gehört. Auf diese Weise ist die umfassende Sammlung der Reden Gotamo Buddhos nach und nach zustande gekommen, unverkennbar echt gezeichnet mit dem Stempel seines Geistes.“
Karl Eugen Neumann (1865-1915, Indologe) zitiert aus seinem Werk „Die Reden des Buddha. Längere Sammlung“

„Der Kanon selbst ist umfangreich. In Pali heißt er das Tipitaka, was bedeutet, daß er aus "drei Körben" besteht, d.h. drei Textsammlungen: das Vinaya-Pitaka mit den Vorschriften oder der "Disziplin" des Sangha; das Sutta-Pitaka mit den Predigten des Buddha, religiöser Dichtung und anderen vermischten Texten - dies ist bei weitem der größte der "Körbe"; und das Abhidhamma-Pitaka: Es enthält, was zuweilen "systematische Philosophie" genannt wird, eine scholastische Ausarbeitung der Lehre, besonders was die Analyse des Geistes angeht.

Hinzu kommen die Kommentare zum Kanon, die wahrscheinlich zum großen Teil aus in Indien kompiliertem Material bestehen, wenn sie auch in ihrer jetzigen Form alle aus Ceylon stammen. Ferner gibt es Subkommentare und verwandte Hilfstexte.“

zitiert aus dem Buch: "Der Theravada Buddhismus" von Richard F. Gombrich (Boden Professor of Sanskrit an der Universität Oxford und langjähriger Präsident der Pali Text Society, London)

Der Wiener Indologe K. E. Neumann sugeriert:

„Warscheinlich aber war bis zum Tode Gotamo Buddhos, um 480 v. Chr., nur e i n e Satzung bekannt, eben der Kanon der Reden, das Suttapitakam als Ekapitakam, woraus dann allmählich das Vinayapitakam, später das Abhidhammapitakam teils ausgeschieden, teils weitergebildet wurde. Die erste Erwähnung von pitakam als Gesamtbegriff der Lehre geschieht, meines Wissens, im 3. Jahrhundert nach Gotamo Buddho, ungefähr 200 Jahre nach Fixierung seiner Reden, auf einer asokischen Topenstele zu Barahat. Da finden wir nämlich auf einem der gestifteten steinernen Gitterbalken als Geber den ehrwürdigen Jato, der sich petaki nennt, (Kenner des Pitakam). Gleichzeitige Inschriften auf dem Sanci-Hügel führen aber, wie Barahat sutantiko, sutatiko, (Kenner der Reden) und, mit Barahat, pacanekayiko, (Kenner der fünf Sammlungen) an.

Daß man das Suttapitakam wirklich bis spät in das vierte Jahrhundert n. Chr. Als den Kanon schlechthin angesehen hat, sagt uns sogar der Mahavamso, p.247, deutlich genug. Unter der Regierung Buddhadasos, heißt es da, habe ein hochgelehrter dhammakathi (Sprecher des Dharma) die Texte, eben die Suttas, in die Landessprache übertragen: “



Die Kommentarzeit

„Es gibt einen populären Glauben, daß die Kommentare schließlich Buddhas Worte darstellen, die sich verstreut hier und dort finden lassen, auch pakiººakadesana genannt. Aber die wahre Sachlage scheint eher anders zu sein. Sehr oft sind die Kommentare unfähig, etwas Eindeutiges betreffs der Bedeutung von tiefen Lehrreden zu sagen. Deshalb geben sie oft einfach einige mögliche Interpretationen wieder, und der Leser findet sich selbst ratlos vor die Wahl gestellt, die richtige davon auszuwählen. Manchmal tangieren die Kommentare auch die Bedeutung und verpassen die richtige Interpretation. Warum die Kommentare gerade bei tiefen suttas schweigen, ist auch für Gelehrte dieser Tage ein Problem. Es gab einige historische Gründe, die zu diesem Zustand der Kommentare geführt haben.

Im Aisutta des Nidanavagga im Sayutta Nikaya finden wir den Buddha, gewisse prophetische Äußerungen über die Gefahren machen, die der Sasana (die Botschaft der Lehre Buddhas) in Zukunft befallen werden. Es wird gesagt daß in zukünftigen Zeiten, die Mönche das Interesse an tiefen Lehrreden verlieren werden, daß sie keinen Lehrreden lauschen würden, die von der Idee der Leerheit (sunnata) handeln. Sie würden es nicht mehr für nötig Erachten diese zu lernen oder gar darüber nachzudenken:

Es gibt auch einen anderen historischen Grund, der herangeführt werden kann. Eine Idee hat sich an einer gewissen Stufe der buddhistischen Lehre (Sasana) tiefe Verwurzlung gefunden, nämlich der Glaube, daß im Sutta Piµaka einfach nur die „konventionelle Lehre“ enthalten wäre und daß es deswegen gar nichts so tiefes in diesen suttas gibt. Diese Meinung hat auch seinen Anteil im mangelnden Interesse an eben diesen suttas. Gemäß der Manorathap³raºi,

im Aguttara-Kommentar hatte es schon an einer frühen Stufe in der Sasana Geschichte von Sri Lanka eine Debatte zwischen denjenigen gegeben, die die Mönchsregel hochhielten und denjenigen, die sich für die (meditative) Realisierung ausgesprochen haben. [4] Und es heißt, daß die Regelbefürworter gewonnen hätten. Der endgültige Schluß für den Fortbestand des Sasana, der Lehre Buddhas wurde darin gesehen, daß die Bewahrung der Regeln an sich schon genügte, und nicht so sehr die Verwirklichung der Lehre. Selbstverständlich sind die Bemühungen der Rezitations – Mönche von alt für die Bewahrung Regeln mitten in Dürren und Hungersnöte und andere katastrophalen Umständen sicher lobenswert. Aber das unglückliche Ding dabei war dies: der Korb des Buddha-Wortes wurde von Hand zu Hand im Dunkeln weitergereicht. Damit entstand das Risiko, daß einige wertvolle Dinge verlorengingen. Auch hat es sicher semantische Entwicklungen in der Kommentarzeit gegeben; dies wird jedem offensichtlich der den echten Dhamma sucht.“

zitiert aus den Nibbana Reden des Ehr. Ñaananda Bhikkhu



Die Anfänge im Westen

„Nach Europa ist ein einigermaßen verlässlicher Bericht über die Grundgedanken Gotamos zuerst durch Spence Hardy gedrungen. Dieser Mann war ein tüchtiger wesleyanischer Missionar, seit 1825 auf Zeilon, der nach zwanzigjährigem täglichem Umgang mit sinhalesischen Priestern uns die erste eigentliche Bekanntschaft mit dem Buddhismus vermittelt hat. Ohne Kenntnis des Paali, nur aus den volkstümlichen Quellen schöpfend, konnte er gleichwohl drei vortrefflich unterrichtende Werke herausgeben, von denen das erste, der 1850 in London erschienene Band Eastern Monachism mit seiner lebendigen, unmittelbar anschaulichen und zugleich tiefwurzelnden Darstellung bleibenden Wert hat. Nebenbei sei hier bemerkt, dass Schopenhauer, wenige Jahre vor seinem Tode, die Bedeutung solcher Quellen natürlich sofort erkannt hatte: es war ja das Beste gewesen was er, schon am Ende seiner Laufbahn, von jenen Lehren je hatte erfahren können. Denn was vor Spence Hardy bekannt geworden war, mochte immerhin gar viel des Guten bieten, zumal in den Veröffentlichungen des feinsinnigen Burnouf, und zwei Jahrzehnte früher in den Abhandlungen des Petersburger Akademikers Isaak Jakob Schmidt, deren Forschungen vorwiegend der späteren nördlichen Tradition nachzuschürfen hatten: aber der antike Torso war vor lauter groteskem Schutt und Geröll kaum wahrzunehmen. Tiefer schauende Geister konnten freilich auch hier mit ihrem Scharfblicke durchdringen und die edlen Umrisse schon deutlich sehn. Aus eben diesen letzteren Arbeiten und dem verwandten Buche Köppens hatte sich um 1858 Richard Wagner eine bewundernswerte Kenntnis erworben. `Ja`, sagte er, damals noch unverhutzelt, zur Wesendonk, `das ist eine Weltansicht, gegen die wohl jedes andere Dogma kleinlich und borniert erscheinen muß! Der Philosoph mit seinem weitesten Denken, der Naturforscher mit seinen ausgedehntesten Resultaten, der Künstler mit seinen ausschweifendsten Phantasien, der Mensch - mit dem weitesten Herzen für alles Atmende und Leidende, finden in ihm, diesem wunderbaren, ganz unvergleichlichen Weltmythos alle die unbeengteste Statt.` Und zwar schrieb er dies, nachdem er nicht lange vorher bekannt hatte, wie unerquicklich und widerwärtig es ihm geworden war, sich durch den ganzen breiten Wust ungeschlachter Darstellungen und Fratzen hindurchzuarbeiten: `Den Cakya-Sohn, den Buddha, mir rein zu erhalten, ist mir, trotz der chinesischen Karikatur, aber doch noch gelungen`, spricht er dann am Schlusse naiv aus. – Jene Zerrbilder zu bevorzugen ist neuerlich gelehrte Mode geworden: aber das ist eine Welle, die bald vorüber sein wird.“
Karl Eugen Neumann (1865-1915, Indologe) zitiert aus "Die Reden des Buddha." Längere Sammlung



Samsara – die Daseins-Tretmühle

Die Inder wie auch die meisten Asiaten gehen davon aus, dass alles was lebt wiedergeboren wird. „Ähnlich den Zyklen der Natur, in der Tod eigentlich nur Wandlung darstellt, sahen die Inder den Menschen als Teil derselben und damit eben solchen Kreisläufen unterworfen.

Viele gute Taten führen damit zur Aufhäufung guten „Karmas“ und bringen gute Auswirkungen. Eine Wiedergeburt in göttlichen, himmlischen, lichten Sphären und Menschenwelt ist zu erwarten.

Auf schlechte und grausame Taten folgt Wiedergeburt im Geisterreich, Tierreich oder in Höllenwelten.

Nirgends jedoch macht ein Wesen endgültig halt: Wie ein Tropfen Wasser in Kreisen durch Himmel und Meere kreist oder eine Flamme einer Kerze die nächste entfacht, kreisen die Wesen: Die Zeiträume die die Wesen dabei in elendsten Welten zubringen müssen (aus denen zu gelangen schwerer ist, als sich darin zu verirren), und die Ewigkeiten die dieser irrwitzige Kreislauf vonstatten geht, läßt den Buddhisten sich nach einem Ende dieses Wiedergeburtenlaufrades sehnen:

Nirvana

Nirvana (pali: Nibbana) stellt das Ziel des Buddhismus da, der damit als Heils- bzw. Erlösungslehre OHNE Schöpfergott gedacht werden muß. Da uns kein außerhalb allem Bedingten stehendes Wesen, also ein Gott behilflich sein kann (denn eine jede Existenz ist, nach der Lehre Buddhas schon allein aus dem Grunde seines Daseins bedingt, abhängig und damit wandelbar, also auch die eines, wie auch immer gearteten, Gottes) und wenn auch das Lebenslaufrad kein natürliches Ende findet, wie müssen wir dann ganz konkret vorgehen, wenn wir diesen Wiedergeburtenkreis verlassen wollen? (Der Buddhismus ist nur insofern dem Leben gegenüber zurückhaltend, als das Ziel des Nirvana erstrebenswerter als jegliches Daseinsform angesehen wird.) Eben in der Bedingtheit, im Dualismus, in der gegenseitigen Abhängigkeit aller Naturphänomene (innerer wie äußerer) sieht Buddha den Ansatzpunkt. Denn wenn ein Kettenglied dieses Laufrades bricht, müßten sich auch alle anderen auflösen wie nie da gewesen. Wahn oder Unwissen nennt Buddha eines dieser Kettenglieder die uns fest in der Beständigkeit einer Scheinwelt halten. Wo Wechsel ist, sehen wir Dauerhaftigkeit, wo Unzufriedenheit wohnt, dünken wir ewige Zufriedenheit und wo leere Phänomene rasend schnell entstehen und zerfallen besteht für uns eine feste Welt. Es gibt ein Werkzeug, so Buddha, mit dessen Hilfe wir diese Situation des im Trug Verlorenseins, sofern gewollt, ändern können: Unseren Geist. Würde der nämlich scharf genug so könnte er allmählich durch das verwirrende Gewirr unserer festgefahrenen Ideen und Sichtweisen (ditthi) hindurchblicken und würde deren imaginäre Wirklichkeit durchschauen und Loslassen.

Befreiung im Buddhismus ist darum nichts anderes, als der durch einen speziell trainierten Geist erreichte, andauernde Zustand der Befreiung, der in der Losgelöstheit vom Wahnbild Samsaras besteht. Dem Schein entgangen, kann man sich nicht mehr verfangen: Daher die uns unbeschreiblich heldenhaft wirkenden Charaktere buddhistischer Heiliger (arahat) und die Macht ihres trainierten Geistes. Ein Geistessystem, daß für Jahrhunderte indisches und infolge asiatisches Denken bestimmen sollte.“

zusammenfassend zitiert aus www.nibbanam.com